Jahresbericht 1997-1999

Jahresbericht 1997-1999

I. Projekt Mazedonien

I. 1 Schirmherrschaft Oberbürgermeister Dr. Kremendahl
I. 2 Der Leiter des Büros Kolbow
I. 3 Bundesärztekammer „Sachverständiger für Balkan“
I. 4 Serbien
I. 5 Presseveröffentlichung

II. Erdbeben- Türkei

II. 1 Projektbericht
II. 2 Presse und Öffentlichkeitsarbeit

III. Kosovo 

III. 1 Sektoreneinteilung
III. 2 Einsatz med. Fachkräfte
III. 2. A Bericht, Juni ‘99, Akram Naasan
III. 2. B Bericht, Juli ‘99, Akram Naasan
III. 2. C Bericht, Aug.‘99, Dr. Adelheid Olejnik
III. 2. D Bericht, Okt.‘99, Dr. Thomas Gündel
III. 3 Medizinische Nothilfe
III. 3. A Krankenhaus Orahovac
III. 3. B Krankenhaus Malisevo
III. 4 Rehabilitationsplan für die Landminenopfer
III. 5 Presse und Öffentlichkeitsarbeit

IV. Grundsätzliches

IV. 1 Presse und Öffentlichkeitsarbeit
IV. 2 Das Leid der Minenopfer in Angola
IV. 3 Schreiben des Oberbürgermeister Dr. Kremendahl
IV. 4 Eintragung in die Landgerichtsliste
IV. 5 Gemeinnützigkeit und Steuernummer
IV. 6 Auszug aus dem VR und Satzung
IV. 7 Gründungsprotokoll

Projektbericht medizinische Hilfe der Erdbebenopfer in der Türkei

In den ersten Morgenstunden des 17August 1999 hat die Erde in der Türkei gebebt. Das Epizentrum lag 70 km östlich von Istanbul. Betroffen sind vor allem die Städte Izmit, Adapazari, Gölcük und Yalova. Das 45-sekündige Beben erreichte eine Stärke von 7,4 auf der Richterskala. Die Rede ist von einem verheerenden Jahrhunderterdbeben. Tausende von Menschen verloren unter den Trümmern ihr Leben, Tausende ihr Hab und Gut. Am stärksten betroffen ist die Industriestadt lzmit. Noch Tage nach dem Beben, war der Ausmaß der Katastrophe immer noch nicht übersehbar.

Unter anderem wurde auch das Gesundheitswesen in diesem Gebiet infolge des Bebens zusammengebrochen. Es besteht ein dringender Bedarf an Ärzte, Krankenschwester, Zelte, med. Verbrauchsmaterial und Medikamente.

Vorbereitungen

Ein Benefiz Konzert zu Gunsten der Erdbebenopfer wurde unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeisters Dr. Hans Kremendahl organisiert. Der Erlös war für die medizinische Versorgung der Erdbebenopfer bestimmt. An der Aktion nahm die Oldieband ‚The Dukes‘ teil. Geplant war die Entsendung von Medikamenten und einem Arzt. Das deutsche Medikamentenhilfswerk Action Medeor erklärte seine Bereitschaft die Aktion zu unterstützen.

Verlauf

Nachdem die Medikamente bei Aktions Medeor bestellt wurden, stellte sich heraus, dass es technische Probleme bei der Beförderung der Medikamente in die Türkei gibt. Die türkische Airlines bietet zwar den kostenlosen Transport in die Türkei, aber sie war nicht in der Lage durch den Stau der Hilfsgüter die Kapazitäten bereitzustellen. Außerdem werden die Güter dort dem türkischen roten Halbmond übergeben, so dass eine einwandfreie Garantie der direkten Hilfe nicht gegeben ist. Die Suche nach Alternativen ergab, dass die einzige Möglichkeit eine direkte Hilfe vor Ort war. Dazu wurden mehrere Kontakte mit Ärztinnen und Ärzten vor Ort hergestellt.
Beim ersten Gespräch mit Dr. Abdülselam Yüksel, Facharzt für Innere Medizin zeigte, das es vermehrt zu Patienten mit dem so genannten Deprem-Schock (Erdbeben-Schock) kommen würde, so das viele Patienten, vor allen das Kinder in Zukunft psychisch stark betroffen sind. Bei einem Arbeitstreffen mit Ärzten des Krankenhauses lsvicre Hastanesi in Istanbul, an dem die Ärzte Dr. Fikri Kutlay, Facharzt für Herz- und Gefäßchirurgie, Dr. Kazim Tas, Chefarzt der Inneren Medizin und Dr. Abdülkadir Polat, Facharzt für Orthopädie teilnahmen, wurde die Allgemeinsituation als sehr ernst dargestellt. Insbesondere die fehlende medizinische Hilfe, vor allem aber die Unterbringung der Menschen in Picknickzelten im Hinblick auf den kommenden Winter und die fehlende hygienische Infrastruktur (Zusammenbruch des Versorgungs- und Entsorgungssystems) würde die Gefahr der Erkrankungen noch erhöhen. Dr.Kazim Tas erklärte seine Bereitschaft zur Hilfe für die Erdbebenopfer über seine Klinik zu organisieren. Dafür wollte er die entsprechende Zustimmung des Gesundheitsministeriums holen. Er machte darauf nochmals Aufmerksam, dass es dringenden Bedarf an winterfesten Zelten geben würde.

Im Gebiet Kocaeli waren Ingenieure des Handelsministeriums dabei, eine Bestandaufnahme über die Schäden zu erheben. Murat Kürekci und Veysi Uzunkaya erklärten, dass mehr als 15.000 Tote zu beklagen sind. Über vier Milliarden US $ beträgt der Handelsschaden. Mehr als 100.000 Wohnungen sind zerstört oder beschädigt und es gibt über 50.000 Verwundete. Ein endgültiger Bericht über die Situation kann erst in ein oder zwei Monaten fertig gestellt werden. 

Augenzeugen berichteten, dass Beispielsweise in einem Haus 72 Menschen tot geborgen wurden. In der Statistik wurden aber nur sechs Tote registriert. 

Bei einem Treffen mit Herrn B.Mehmet Toker, Generalsekretär von Izmit Lokalagenda 21, wurde deutlich gemacht, das ein großer Bedarf an medizinischer Hilfe vorhanden ist. Das Gesundheitswesen in Izmit ist zusammengebrochen. Vor dem Erdbeben existierte eine Universitätsklinik und zwei SSK Krankenhäuser (staatliche Krankenhäuser), Dispanserien und weitere medizinische Ambulanzen. Die Universitätsklinik und die beiden staatlichen 55K Krankenhäuser sind nicht mehr in der Lage, chirurgische Eingriffe durchzuführen. Es bedarf der Renovierung und dem Wiederaufbau der Krankenhäuser. Die medizinische Erstversorgung, der Rettungsdienst und die postoperative Versorgung, kann auch nicht vom privaten Sektor bewältigt werden. Er machte den bevorstehenden Winter, besonders aber auch auf die ökologischen Folgen durch die Zerstörung der Industrieanlagen aufmerksam. Lange vor dem Beben war die Umweltbelastung derart hoch, dass die Bevölkerung davon Gesundheitsschäden trug. Insbesondere nannte er die Atemwegerkrankungen und das vermehrte auftreten von Krebs. 

Bei einem weiteren Treffen mit Dr. Fetih Bozcali, Ah Tezel Erol von der Stiftung TOSAV (Stiftung zur sozialen Gesundheit), einer Gruppe von über 20 Ärzten und Ärztinnen, die sich im Erdbebengebiet stark engagiert haben, wurde die Möglichkeit der Hilfe und der Zusammenarbeit erörtert. TOSAV kooperierte u.a. mit der Organisation MSF, Belgien, bei der medizinischen Versorgung der Erdbebenopfer. An fünf Stellen wurden 14 Zelte aufgestellt indem medizinische Dienste geleistet wurden. 

Ein weiteres Gespräch mit dem Vizebürgermeister der Stadt Diyarbakir, Herrn Vedat Cetin, der sich auch 40 Tage lang für die Belange der Erdbebenopfer eingesetzt hatte, machte auf folgende Probleme aufmerksam. Durch die Zerstörung von mehr als 3000 Dörfern infolge des Krieges und durch die ökonomische Not im Osten des Landes und damit der Umsiedlung von über vier Millionen Menschen in die Großstädte des Westens in der Türkei, ist diese Gruppe besonders betroffen. Über 8000 Familien sind direkt betroffen, bis zum 26.09.1999 sind 430 Tote nach Dersim, 309 nach Bingöl, 198 nach Urfa, 70 nach Batman, 90 nach Agri und 400 Tote in die Provinz Diyarbakir überführt worden. Stadt Diyarbakir hat im Erdbebengebiet 6 Wochen lang für ca. 1500 Personen zwei warme Mahlzeiten täglich ausgegeben. Über 500 Familien konnten aus dem Erdbebengebiet in ihre Dörfer zurückkehren. Z.Z. akut für 32 Familien die in ihrer Heimat zurückkehren wollen, fehlt jegliche finanzielle Möglichkeit. Er hat um eine Unterstützung für die Rückkehr dieser Familien gebeten. 

Er machte noch auf Probleme in seiner Stadt aufmerksam. Die hohe Kindersterblichkeit pro 1000 Geburten, 71 Totgeburten. Das Problem des Trinkwassers und das fehlende Rettungswesen bei Katastrophen. 

Schlussfolgerung

Der erste Eindruck von den betroffenen Gebieten ist die auffällige depressive Haltung der Menschen. Der Ausmaß der Zerstörung ist nicht übersehbar. Ganze Stadtzentren sind entweder zerstört, die Straßen blockiert oder entvölkert. Schon jetzt ist kaum abzuschätzen, welchen volkswirtschaftlichen Schaden das Beben angerichtet hat, denn die Erdstöße trafen den wohlhabendsten und am dichtesten besiedelten Teil der Türkei. In Istanbul, Izmit und Bursa haben ausländische Firmen ihre zum Teil hochmodernen Produktionsanlagen, die stehen erst einmal still. Die meisten vom Gesundheitsministerium errichtete medizinische Stationen, sind nicht mehr in der Lage Hilfe zu leisten. 

Eine Hilfe für das Erdbebengebiet musste in zwei Schritten verlaufen. Als erstes akute Hilfe, um den kommenden Winter zu überbrücken. Hierzu werden dringend winterfeste Zelte benötigt. Die medizinische Erstversorgung muss sichergestellt und ein Sofortprogramm von Notunterkünfte erstellt werden. Gefolgt solle es von einem Wiederaufbauprogramm das allerdings zehn bis fünfzehn Jahre dauern würde. 

z.Z. verläuft die Hilfe ausschließlich über Krisenstäbe. Ein Krisenstab auf Regierungsebene in Ankara und eins auf die Provinzebene. 

Danksagung

Für den Abschluss dieses Projektes möchten wir uns ganz herzlich bei dem Oberbürgermeister Herr Dr. Kremendahl für die Übernahme der Schirmherrschaft bedanken, sowie bei Bürgermeister Herr Dr.Köster, die Oldieband ‚The Dukes, die Leiterin der Gesamtschule Bannen Frau Köhler und ihre Schülerinnen und Schüler und vielen anderen, einen besonderen Dank gilt Frau Aichinger, für ihr unerschöpfliches Engagement bei der Bewältigung dieser Arbeit. 

Einladung für Benefizkonzert zu Gunsten Erdbebenopfer Türkei

Sehr geehrte Damen und Herren,

hiermit möchten wir unsere Pressemitteilung für ein Benefiz-Konzert zu Gunsten einer medizinischen Hilfe für die Erdbebenopfer in der Türkei ankündigen. 

Das Benefiz-Konzert findet am Samstag den 04.09.1999 in der Zeit von 12 bis 16 Uhr in der Gesamtschule Barmen, Unterdörnen 1 (Schwebebahnstation Adlerbrücke) statt. Die Schirmherrschaft übernimmt unser Oberbürgermeister Dr. Hans Kremendahl, Veranstalter ist die Internationale Nothilfe e.V..
Die Oldieband „The Dukes“, wird Musik der 60er und 70er Jahren spielen.

Zu Beginn des Konzerts wird Herr Oberbürgermeister Dr. H. Kremendahl ein Grußwort halten und während des Konzerts wird der Verkauf von gespendeten Kuchen, Kaffee und Erfrischungsgetränken stattfinden. Der Eintritt ist frei, jedoch wird herzlich um eine Geldspende für die Erdbebenopfer in der Türkei gebeten. Der gesamte Erlös der Veranstaltung wird für die medizinische Versorgung der Erdbebenopfer und für Medikamente vor Ort genutzt. Ein Düsseldorfer Arzt hat sich bereit erklärt während seiner 2-wöchigen Urlaubszeit die Medikamente vor Ort in Krankenhäuser zu bringen und dort auch seine Arbeit anzubieten. Alle Vorbereitungen zu diesem Konzert wurden bisher nur von Spenden verwirklicht. Da dieses Benefiz-Konzert nur für die Erdbebenopfer in der Türkei dient, hoffen wir daß viele Gäste zu unserer Veranstaltung erscheinen werden und wir viele Spenden sammeln. 

Liebe Damen und Herren, es ist sehr wichtig zu erwähnen wie es eigentlich zu diesen Vorbereitungen gekommen ist. Es sollte sich eigentlich im ganz kleinen Rahmen ereignen, haue sich eine junge Frau gedacht, die sich vornahm eine Spendenaktion für die Erdbebenopfer in der Türkei telefonisch zu starten. Also sollten alle Freunde und Bekannte angerufen werden. Sicherlich ist es aus Vertrauensgründen gar nicht einfach um Geld zu bitten, auch wenn es durch den Verein vollbracht werden sollte, damit auch jeder Spender eine Spenden-bescheinigung erhält. Nur eine ihrer Freundin packte sie so richtig unter die Arme. Beide dachten nicht einmal an dem Stress und den Druck, den beiden zuvor stand. Was sonst hätte man tun können? Sie fühlten wie alle nicht beteiligten Menschen, mit den Menschen dort, die ein grausames Schicksal erleiden müssen. Die Bilder die uns hier erreichen, erzählten von schlimmen körperlichen und seelischen Schäden denen diese Menschen ausgeliefert sind. 

Ein Bekannter der Freundin der in einer Band mitspielt, bot an, ein Benefiz-Konzert zu geben,(zuerst direkt vor ihrer Haustüre). Der 4. September sollte es sein. Die beiden waren überglücklich. Nun stand die Frage: „Wo kriegen sie nur einen Saal“??? Ein Telefonat beim Oberbürgermeister löste so einige Sorgen, und eine Genehmigung kam so nach dem anderen. Hierbei ist zu erwähnen, dass bei allen zuständigen Stellen absolut nur Hilfehände entgegenkamen, ganz unabhängig eine von dem anderen.
Ob es die Leiterin von der Gesamtschule Barmen war, die ihre Zusage gab, das Konzert sollte in ihrer Schule stattfinden, oder ob es der zuständige Herr des Gebäudemanagements der Stadt Wuppertal war, der die Räumlichkeiten der Schulmensa zu Verfügung stellte, spanische Ordensschwester die Handzettel fotokopierten, das deutsche Medikamenten-Hilfswerk Action Medeor, die ihre Zusage gab, diese Aktion zu unterstützen, die Druckerei, die die Handzettel als Plakatformat druckte, die 55K- Wuppertal, viele Wuppertaler Schulen die die Handzettel unter den Schülern austeilten, und viele andere die mit halfen. 

Aus einem kleinen Gedanken wurde eine große Veranstaltung. Wir hoffen das viele Kuchenund Erfrischungsgetränkespenden kommen und hoffen, dass viele Menschen zu dieser Veranstaltung erscheinen werden. 

Mit freundlichen Grüßen
für den Vorstand

Nursel Naasan 

Bericht über eine Evaluierungsreise im Auftrag der Internationalen Nothilfe e.V. International Emergency Help (I.E.H.) in der Zeit vom 19.06.99 – 28.06.99 in Kosovo

Einführung:

Die Reise wurde in enger Beratung und Kooperation mit Dr. Niaz Miran organisiert. Für die Vorbereitung der Reise haben Vorgespräche mit Herrn Gorys von der Staatskanzlei Düsseldorf stattgefunden. Die Presse hat vorab positiv fiber den Einsatz berichtet. Nicht zu vergessen ist die Rolle von Herrn Prof. Schregel, der mir sofort Urlaub genehmigte. Die Durchführung der Reise wurde durch die Unterstützung des Führungsstabes des Bundesministeriums für Verteidigung ermöglicht. Der Arbeitsstab Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes hatte vorher seine Zustimmung gegeben.
Bei Antritt der Reise sind die Feindseligkeiten zwischen den NATO-Armeen und den Streitkräften der Bundesrepublik Jugoslawien eingestellt worden. Am Mittag des 19.06.99 startete die Trans-All-Maschine in Landsberg-Petzing am Lech in Bayern nach Skopje in Mazedonien. An Bord waren notwendige chirurgische Instrumente für ca. DM 20.000.
Ziel der Reise war die Recherche zu folgenden Aspekten:

1. Erhebung der medizinischen Situation
2. Möglichkeit des Einsatzes eines Ärzteteams
3. Notwendigkeit eines Rehabilitationszentrums für Minenopfer

Land und Leute:

Das Amselfeld, als das die serbische Siedlung Polje im Kosovo im Deutschen bekannt ist, steht für einen der größten serbischen Mythen, da die Serben dieses Land als die Wiege ihrer Zivilisation betrachten. Pec, der Amtssitz des Patriarchen, der nach der Völkerwanderung unter Arsenije III. von den Türken seines Amtes enthoben wurde, befindet sich im Kosovo.
Im Herbst 1987 machte sich Slobodan Milosevic die starken antialbanischen Gefühle der Serben zunutze und setzte den Erhalt des Kosovo als integraler Teil Serbiens an die Spitze seiner politischen Prioritätenliste. Seine Taktik, die nationale Frage ins politische Rampenlicht Jugoslawiens zu rücken, signalisierte den Beginn eines Kampfes, der mit dem Krieg im Jahr 1991 seinen Höhepunkt fand. Das Kosovo war von zentraler Bedeutung und heilig für die meisten Serben, obwohl demographische Trends zeigen, dass es innerhalb der nächsten Jahrzehnte fast ausschließlich albanisches Gebiet werden wird. (Es sei denn, die serbische Regierung unternähme massive Anstrengungen, es neu zu kolonialisieren).
So können wir sagen, dass in Jugoslawien der zerstörerische und intolerante Nationalismus bereits wiedergeboren war, bevor der Zusammenbruch des Kommunismus anderswo in Osteuropa vorhergesagt werden konnte. Die Bundesrepublik Jugoslawien bestand u. A. aus der Republik Serbien und den Autonomiegebieten des Kosovo und der Vojwodina. 

geographische Eckdaten des Kosovo:

Grenznachbarn: Albanien, Mazedonien, Montenegro und Serbien.
Große Städte: Priština als Hauptstadt Prizren, Gnjilane, Mitrovica und Pec.
Nach Beendigung des Krieges wurde Kosovo in 5 Sektoren unterteilt:
Deutscher Sektor mit der Stadt Prizren
Englischer Sektor mit Priština als Hauptstadt
Amerikanischer Sektor mit Gnjilane
Französischer Sektor mit Kosovska Mitrovica und ein
Italienischer Sektor mit der Stadt Pec.

Einwohnerzahl: ca. 2 Millionen (Albaner 77%, den Rest teilen sich Serben, Sinti und Roma) Bevölkerungsdichte ( Land! Stadt):

Problematik:

Durch die massiven Repressalien und die Unterdrückung der Bevölkerung im Kosovo kam es zu einer Tragödie, infolge derer über 300.000 Menschen aus Ihrer Heimat vertrieben wurden. Diese Vertreibung legte die soziale, wirtschaftliche und medizinische Infrastruktur lahm. Berichte über Massaker und Gräueltaten häuften sich sehr.
Durch diese Vertreibung kam es in den Nachbarländern des Kosovo, vor Allem in Albanien, Mazedonien und Montenegro in unterschiedlichem Maße zu erheblichen Spannungen zwischen den Einheimischen und den Vertriebenen. Während sie in Albanien Unterkunft hauptsächlich in privaten Familien fanden, mussten sie in Mazedonien zum größten Teil in Lagern untergebracht werden.

Verlauf der Reise:

In der Nacht zum 19.06.99 wurde ich mit dem Auto zum Lufttransportgeschwader 61 in Petzing gebracht. Gegen 12.15 startete die Trans-All in Richtung Skopje. Der Flughafen von Skopje ist der Umschlagplatz für die humanitäre Hilfe in Albanien. An Bord traf ich Mitarbeiter der Organisation Kinderberg mit Prof. Schwenk, der dasselbe Einsatzziel hafte, sowie andere zivile Begleiter. Durch die Vermittlung von Herrn Udo Dewes wurde ich vor Ort von Herrn Oberfeldwebel Rainer Bücher empfangen. Anschließend gingen wir in Begleitung von Herrn Bücher zum zivilen Teil des Flughafens, wo wir dit notwendigen Formalitäten erledigten. Nach Beendigung der problemlosen Zollformalitäten, hatten wir Gelegenheit, uns mit Frau Karin Rademacher, der stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag und ihren Begleitern im Café zu unterhalten. Anschließend führen wir mit zwei Fahrzeugen in die Stadt.
Unsere erste Adresse war das Koordinierungsbüro des Beauftragten der Bundesrepublik Deutschland für die humanitäre Hilfe in Mazedonien. Beauftragt ist Herr Staatssekretär Kolwo. Deshalb wird das Büro auch kurz das „Büro Kolwo“ genannt. Dort traf ich auch Vertreter anderer NGO‘s, z.B. von HELP Herrn Willers, der eine Minenräumkanipagne organisiert, so dass sich unsere Arbeit in etwa berührte. Daher mein Versuch, sich ihm anzuschließen. Seine Organisation erwartete ihre Teams und verfügt über eine Logistik in Skopje. Er wurde mir vor meiner Reise in Deutschland von der Organisation „St.Barbara-Stiftung“ in Bonn wärmstens empfohlen.
Herr Willers plante für den nächsten Tag eine Fahrt in den Kosovo nach Priština, Genaueres sollte ich aber später erfahren. Ich habe mich auch in diesen Moment dem Büroleiter des Staatssekretärs Herrn Quaden vorgestellt. Herr Quaden empfahl mir dringend, in Kosovo auf die Sicherheit zu achten und ich solle unbedingt mit dem Pressesprecher Herrn Buch nötige Verhaltensweisen absprechen. Ich bedankte mich ganz herzlich, erläuterte die Ziele meiner Reise und berichtete über meine Erfahrungen in anderen Kriegsgebieten.
Anschließend führ ich mit Herrn Rainer Bücher in die Stadt. Er hatte mir noch eine freigebliebene Unterkunft besorgen können. Die Übernachtung kostete 125,- $. Glücklicherweise konnten wir mit der Hilfe eines Taxifahrers eine preiswertere Herberge finden.
Die Stimmung der Bevölkerung Skopjes gegenüber den Soldaten ist sehr aggressiv, so dass viele NATO-Soldaten auf militärische Fahrzeuge verzichten und einheimische Mietwagen benutzen. Der erste Eindruck, den man in Mazedonien bekommt ist die spürbare Spannung zwischen den mazedonischen und albanischen Volksgruppen.
Gegen Abend besuchte ich eine Pantomimeaufführung zugunsten der Flüchtlinge. Danach hatte ich ein kollegiales Gespräch mit Frau Dr. Schmidt, die für die Organisation ‚Johanniter“ den med. Point im Flüchtlingslager Tetovo versorgt. Von Frau Dr. Schmidt erfuhr ich, dass die meisten albanischen Ärzte und Schwestern das Lager verlassen haben und in den Kosovo zurückgegangen sind, so dass nur noch deutsche medizinische Kräfte vorhanden sind. Die Krankheitsbilder umfassen vor allem psychosomatische Erkrankungen und Infektionen. Besonders durch die schlechten hygienischen Verhältnisse ist es in den letzten Tagen zu vermehrten Fällen von Krätze gekommen. Viele Flüchtlinge verlassen ihre Zelte und gehen in die Heimat zurück.

Am folgenden Tag organisierte Herr Mader vom Auswärtigen Amt eine Fahrt ins Flüchtlingslager Tetovo und Cegrane. Vorher haue ich den Fall eines Patienten, der nach Deutschland evakuiert werden sollte. Sein Freund, ein Deutscher, hatte die Botschaft dringend um Hilfe gebeten. Es stellte sich heraus, dass es für den Patienten in Mazedonien oder Bulgarien doch ausreichende Behandlungsmöglichkeiten gibt und eine Evakuierung nicht nötig war.

Situation im Flüchtlingslager Tetovo:

Von den 8.000 Bewohnern sind mittlerweile nur noch 3.000 übrig geblieben. Die Flüchtlinge kehren zurück, die medizinische Versorgung wird von den Johannitern bewerkstelligt, die Grund-erkrankungen entsprechen weniger chirurgischem Profil als internistischen. Charakteristisch ist zur Zeit der Vormarsch der Krätze. Diabetes, Depressionen, Gastroentritis und Epilepsie folgen Die hygicmschen Verhältnisse in den Lagern sind sehr schlecht. Die auffälligsten Anzeichen sind Müllberge zwischen den Zelten. Die Wasserleitungen sind teilweise defekt. In den Lagern wird Alkohol verkauft. Tetovo wird vom 1CR verwaltet und wurde seinerzeit von der Bundeswehr aufgebaut. 

Situation im Flüchtlingslager Cegrane:

Dieses Lager hat ca. 40.000 Bewohner und wird von der Organisation CARE verwaltet. Es hat einen kleinen Markt, ein Kaffeehaus, sowie einen Kinderspielplatz. Diese kleine Stadt wird vom 11-1W organisiert. Wasser und Stromleitungen sind voll intakt. Es wird auf die hygienischen Verhältnisse geachtet. Die Zeltbewohner achten auch selber darauf, dass die Zelte sauber bleiben. Schuhe werden vor den Zelten ausgezogen. Bei Gesprächen mit Flüchtlingen stellte sich heraus, dass auch viele zurückgegangen sind und der Rest dabei ist, seine Rückreise zu organisieren. Die meisten Flüchtlinge nehmen ihre Zelte mit. Die Menschen verlassen unkoordiniert die Lager. 
Die medizinische Versorgung wird vom Norwegischen Roten Kreuz organisiert. In einem großen Lazarett behandelt man mit kleinen chirurgischen Eingriffen Blinddarmentzündungen, Leistenbrüche und dergleichen. Komplizierter Befunde werden nicht behandelt. Unter den Patienten waren auch zwei Minenopfer. Bei dem Einen musste aufgrund einer Sepsis eine Reamputation durchgeführt werden. Der Andere hatte sich vor vier Tagen seine Verletzungen im Kosovo zugezogen. Bei genauen Befragungen stellte sich heraus, dass die Mine in der Nähe seines Hauses lauerte. Er berichtete, dass es noch vier Opfer gab. 

Mit der Organisation HELP wird die Reise nach Priština wahrscheinlich nicht klappen. Der Koordinator wartete immer noch auf sein Team. Daher beschloss ich mit dem THW am Dienstag Morgen nach Orahovac zu fahren. Gegen 5:00 Uhr früh wurde ich vom THW abgeholt, so dass wir gegen 6:00 Uhr am Grenzübergang waren. Nach Beendigung der polizeilichen Formalitäten auf der mazedonischen Seite wurde der Grenzübergang von amerikanischen Soldaten bewacht. Vorbei an verlassenen Dörfern und zerstörten Häusern aber auch von NATO-Truppen zerstörten Bahnhöfen und Erdölraffinerien gelangten wir nach Orahovac, das sich im deutschen Sektor befindet. 

In einer landschaftlich sehr schön gelegenen Gegend liegt die Stadt Orahovac / Rahovac (albanisch). Die Stadt hat ihren Namen von einer Sage, derzufolge sich ein osmanischer Pascha in eine schöne blonde Frau verliebt hat die er am Brunnen sah. Diese erwiderte seine Liebe nicht so dass er versuchte, sie mit Gewalt zu gewinnen. Sie floh, sprang von einem Felsen und starb. Als man dem Pascha Vorwürfe machte, sagte man, dass sie vom Felsen gesprungen sei. Rahovac bedeutet „springen“, daher der Name. 
Die Stadt lebt von Agrikultur, vor Allem von dem Weinanbau, kleineren Handwerksbetrieben und Dienstleistungsunternehmen. Rahovac hat ca. 20.000 Einwohner und der Gesamtkreis von Rahovac wird auf ca. 63.000 Einwohner geschätzt. Bewohner sind zum größten Teil Albaner und eine serbische Minderheit. Die Serben leben in ihren eigenen Vierteln. Dadurch dass Prizren die Kreishauptstadt ist und als letzter Hauptsitz des osmanischen Paschas fungierte, wird in dem Gebiet vermehrt neben albanisch und serbisch auch türkisch gesprochen.
Rahovac hat ein Krankenhaus mit 4 Stockwerken, das vor ca. 12 Jahren erbaut wurde. Das Krankenhaus ist in gutem baulichen Zustand, erfuhr aber in den letzten Jahren wenig Investitionen. Während des Krieges wurde der Erdgeschoß von den jugoslawischen Streitkräften höchstwahrscheinlich als Notlazarett benutzt. Nach Abzug der Armee war das Haus absolut verwahrlost. Sämtliche wertvollen Ausrüstungen und Einrichtungen wurden aus dem Krankenhaus entfernt. Die KFOR als alleiniger Verwalter des Gebiets übernahm die Kontrolle über das Krankenhaus. Im Krankenhaus arbeiten z.Z. 44 Personen, darunter 5 Fachärzte, 2 Assistenzärzte, 2 Zahnärzte, 6 andere Ärzte, 1 MTN 1 RTA, 1 Dipl. Biologe, 13 Schwestern und Hebammen. 
Die noch vorhandenen Gerätschaften sind sehr veraltet, manche noch vom Baujahr 1967. Es ist nur noch eine veraltete Ambulanz in Betrieb. Die Kantine war nicht betriebsfähig. Das gleiche gilt auch für viele Versorgungseinheiten wie Betten und Wäsche. 
Das Krankenhaus verfügt über keinerlei Blutreserven. Das Krankenhaus hat zudem 10 so genannte Dispanserien in der Umgebung, wovon 8 Dispanserien zerstört wurden.
Vor dem Krieg waren verbreitet Erkrankungen der Atemwege, Durchfälle, Hepatitis A und B und Tuberkulose (20 / 100.000 Einw.). Die Impfrate bei den Kindern unter 5 Jahren nahm seit 1996 kontinuierlich ab.
Die einzige offizielle Autorität im Kosovo sind zur Zeit die KFOR-Truppen. In Orahovac wird die Kontrolle von den niederländischen Soldaten durchgeführt. Die Niederländer sind sehr kompetent, professionell und freundlich, insbesondere in Bezug auf die Leistungen der Sanitätskompanie im Krankenhaus In Orahovac ist auch die Autorität der UCK anerkannt. Obwohl sie offiziell entwaffnet und nicht uniformiert ist, wird angenommen, dass über 200 Soldaten in der Stadt sind, Das Verhältnis zwischen den KFOR-Truppen und der UCK beruht noch auf gegenseitigem Respekt. Für die medizinische Koordinierung hat sich die Organisation MDM verantwortlich gefühlt. 

Am Mittwoch den 23.06.99 wurden vier getötete Serben in Rahovac entdeckt. Der Mord sah nach Exekution aus. Einer der Toten wurde von hinten erschossen, die drei anderen hatte man ausgezogen, die Kleidung sorgfältig über die Schuhe gefaltet, die Hände hinterm Rücken gefesselt und durch Genickschuss getötet. Da die drei Leichen nicht identifizierbar waren, hat man alle vier im serbischen Viertel in der Nähe der Kirche begraben. An diesem Tag wurde auch ein Kind im serbischen Viertel geboren, das dringend Hilfe brauchte.
Gegen Abend besuchte ich die Familie eines Arztkollegen, wo ich Einblicke in das Privatleben der Albaner gewinnen durfte. Die Albaner sind Moslems sunnitischer Richtung, unter diesen sind die muslimischen Tarikats wie Nakshibendi und Refai verbreitet. Viele junge Intellektuelle waren nach Mekka gepilgert. 

Eine Ausnahmeerscheinung ist der Fall eines albanischen Künstlers, der sein Atelier reifen konnte dank des massiven Einsatzes seines serbischen Nachbars. Jetzt schützt er das Eigentum seines geflohenen serbischen Nachbars. Wieder wurden vier Leichen gefunden, diesmal handelte es sich um Albaner.
Ein in Deutschland arbeitender Albaner wandte sich an die Bildzeitung mit der Behauptung, die NATO habe seiner Schwägerin schwere Verletzungen beim Angriff auf einen Flüchtlingstreck zugefügt. Auf Bitten von Frau Beaudouin, deutsche Konsulin in Prizren, habe ich die Patientin besucht, durch eine ausführliche Untersuchung und nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt stellte sich heraus, dass die Kopfschmerzen höchstwahrscheinlich keine Folge des NATO-Angriffes sind sondern eine typische Migräne. Es lagen keinerlei funktionellen, sensorischen oder sensiblen Ausfälle vor. Die Wunde war gut in Heilung und es hat keinerlei medizinische Indikation für eine Evakuierung gegeben.
Am Freitag dem 25.6.‘99 fand in Prizren ein Meeting der UNHCR statt, anschließend ein Treffen der deutschen humanitären Organisationen im Büro der Koordinierung der deutschen Hilfe im Kosovo, das von Frau Dr.Beaudouin und Dr.Hofflnann geleitet wird. Teilnehmer waren die GTZ, das 11-1W, HELP und IEH. Nach den üblichen Diskussionen und Projektvorstellungen sagte mir Herr Dr.Hofflnann seine Unterstützung zu. Anschließend besuchte uns Herr Heinrich Quaden im Krankenhaus. Nach der Verabschiedung von den Mitarbeitern fuhren wir nach Skopje zurück und organisierten die Rückreise nach Deutschland. 

Ergebnisse und Vorschläge:

Bedingt durch die jahrelange Unterdrückung seitens des jugoslawischen Staatsapparates im Kosovo ist das Verhältnis der beiden Volksgruppen zueinander von einer Mischung aus Angst, Misstrauen und Hass geprägt. Dies erklärt die Initiativlosigkeit und Lähmung v. A. der albanischen Volksgruppe. Nach dein Abzug des Verwaltungsapparates gibt es immer noch verschlossene Türen im Krankenhaus. Dringend erforderlich ist ein Management, Vertrauen bildende Maßnahmen zwischen den beteiligten Gruppen, evtl. die Schaffung eines Korridors zwischen dem serbischen Viertel und dem Krankenhaus um auch Serben den gefahrlosen Zutritt zu dem Krankenhaus zu ermöglichen. Seit etwa zehn Jahren sind die ortsansässigen Arzte von dem medizinischen Fortschritt ausgeschlossen; daher sind Weiterbildungsmaßnahmen dringend erforderlich.
Täglich wurde das Krankenhaus von 150 bis 200 Menschen besucht; die meisten Erkrankungen waren psychosomatisch bedingt wie Depressionen, Traumata (auch bei Kindern) sowie kleine chirurgische Eingriffe infolge von Blinddarmentzündung und Leistenbrüchen. Schätzungsweise sind über 150 Amputierte in dem Gebiet zu beklagen. Hier ist die Errichtung eines Rehabilitationszentrums für Minenopfer erforderlich. In solch einem Zentrum können bis 18 Arbeitsplätze geschaffen werden, Prothesen vor Ort hergestellt werden, physiotherapeutische Behandlungen und eine psychologische Betreuung stattfinden. Darüber hinaus kann solch ein Zentrum mit seinen Diensten den ganzen Kosovo abdecken. Als Sofortmaßnahmen sind medizinische Teams, v.A. Fachärzte aus den Bereichen der Gynäkologie, Allgemeinmedizin und der Chirurgie erforderlich.
Um die Grundversorgung der Bevölkerung mit ärztlichen Diensten sicherzustellen ist die funktionelle Wiederinbetriebnahme des Krankenhauses dringend notwendig. Bei der Planung sollte berücksichtigt werden‚ dass die Albaner utopische Vorstellung haben und die meisten NGO‘s unrealistische Hoffnungen erwecken. Grundsätzlich sollte auf Folgendes geachtet werden:

1. die Schaffung eines Rettungssystems (ein Rettungswagen und zwei Krankentransporter,
evtl. ein Notarztwagen)
2. der Aufbau einer Blutbank
3. zwei OP-Säle für septische und aseptische Erkrankungen (Kleinchirurgie)
4. Aufbau einer gynäkologischen Abteilung und einer Geburtshilfeabteilung

Die Gesamtzahl der Betten sollte nicht 50 überschreiten.
Bei all diesen Maßnahmen sollte man sich im klaren darüber sein, dass es sich um langfristige Vorhaben handeln muss, damit die Nachhaltigkeit der Projekte gesichert bleibt.

Ich möchte mich ganz herzlich bei Allen die mir bei der Bewältigung und Ermöglichung dieses Vorhabens geholfen haben bedanken. Insbesondere möchte ich Herrn Devis, Oberfeldwebel Rainer Bücher, allen Mitarbeitern des Büro des Beauftragten der Bundesregierung für die Koordinierung von deutschen Hilfsmaßnahmen in Mazedonien, Herrn Quaden und Herrn Grünebach und den Mitarbeitern des Büros für Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes, Herrn Schmidt und Herrn Mader bedanken. Mein Dank gilt auch der Sanitätskompanie der niederländischen KFOR und auch Professor Schrägel und die Schwestern der Anästhesie und OP im St. Josefhospital in Krefeld — Ürdingen. 

Bericht über eine 2. Evaluierungsreise in der Zeit vom 8.7.99 – 14.7.99 in Kosovo

Einführung:

Die Reise wurde organisiert von Frau Karin Rademacher, Abgeordnete des bayerischen Landtages, stv. Vorsitzende der bayerischen SPD-Fraktion im Landtag in ihrer Eigenschaft als Beauftragte und Vorstandsmitglied der Arbeiterwohlfahrt Deutschland. Weitere Teilnehmer:
Herr Rademacher als Geschäftsführer und Begründer der Arbeiterwohlfahrt in Thüringen
Herr Witt von der Arbeiterwohlfahrt Lübeck, eingestellt als Koordinator für die Projekte im Kosovo

Die Delegation wurde betreut von Major Riedel vom Büro des Beauftragten der Bundesregierung für die Koordinierung der deutschen Hilfsmaßnahmen in Mazedonien, Herrn Staatssekretär Kolbow. 

Verlauf:

In Skopje kam gegen 19.30 Uhr die Delegation im Hotel Interconti zusammen. Am nächsten Tag wurde die Delegation vom Staatssekretär Kolbow zum Frühstück eingeladen. Der Staatssekretär Kolbow erklärte uns die allgemeine Situation im Kosovo, insbesondere die Sicherheitslage, die noch nicht stabil ist. Er riet uns die KFOR-Straßen nicht zu verlassen und den Anweisungen der Soldaten zu folgen, da ansonsten die Sicherheit nicht gewährleistet sei. Ferner sprach er von dem Kosovo als einem rechtsfreien Raum. Er begrüßte den St~bi1itätspakt Balkan und informierte uns auch darüber, daß Mazedonien dringend Hilfe brauche, eines der dringendsten Probleme sei der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude. Bei dieser Gelegenheit berichtete ich über meine Erfahrungen in der Schutzzone des Nord-Iraks (irakisch Kurdistan): Noch bevor die zivile Verwaltung aufgebaut war, hauen die einheimischen Kurden lokale NGO‘s aufgebaut, so dass man Ansprechpartner haue. Auf meine Frage, ob es entsprechende albanische NGO‘s gebe, nannte der Staatssekretär Kolbow ein A1-Halal. Unser Vorhaben ein Projekt für die Minenopfer aufzubauen begrüßte er. 
Im Anschluss an das Treffen mit dem Staatssekretär Kolbow trafen wir Frau Dr. Ingrid Beaudouin, Botschaftsrätin vom Koordinierungsbüro für humanitäre Hilfe in Prizren, die uns die Situation im Kosovo eindrucksvoll schilderte. Sie nannte uns Ansprechpartner und kündigte diesen unser Kommen an. Am Nachmittag führen wir in den Kosovo; unterwegs konnte ich beobachten, dass im Vergleich zur ersten Reise die Zahl der zurückkehrenden Flüchtlinge abgenommen haue. Entlang der Straße konnte man noch die Absperrungen wegen der Verminung sehen. 
Strepece präsentierte sich uns als eine stark von Amerikanern und Polen kontrollierte Stadt. Im Zentrum hatte es ein Treffen zwischen Vertretern der UCK und der serbischen Autorität gegeben, in dessen Verlauf ein Serbe von den Amerikanern vorläufig verhaftet wurde. Daher fanden große Versammlungen auf den Straßen unter gespannter Atmosphäre statt. In der Stadt konnten wir nicht übernachten, da die Strom- und Wasserversorgung zusammengebrochen war, angeblich aufgrund eines Sabotageaktes der UCK. Auf der Weiterfahrt nach Prizren trafen wir an der Grenze des deutschen Sektors auf den ersten Checkpoint; der Feldwebel lud uns zu einer Tasse Kaffee ein und erläuterte uns die Herkunft seiner Bataillon aus Schneeberg. Er erklärte uns in aufschlussreicher und vereinfachter Art und Weise die Topographie und die Ausdehnung der Verminung in seinem Kontrollgebiet, insbesondere die Grenzen zu Makedonien und Albanien betreffend. Zu bemerken ist, dass dieses Gebiet noch massiv bewohnt ist, da eine Räumung nicht stattfand. 
Am Samstag fand im Hauptquartier ein Treffen mit OLt. Enke statt. Der die Situation wie folgt erklärte: Es mangele nicht an guten Managern und gutem Willen, sondern an Infrastrukturen und dem Unterbau. Hier müsse bald Abhilfe geschaffen werden, da die Zeit dränge. Er empfahl dringend die Bereitstellung von Hilfe für Senioren, Waisen, Schüler und Kindergärten. Er erwähnte dabei auch die französische NGO „Handicap international“ (HI), die auch Prothesen bauen will. Ich erklärte ihm, dass wir definitive und keine provisorischen Prothesen bauen wollen, wodurch wir die Arbeit der Hl sinnvoll ergänzten. 

Im Anschluss daran hatten wir ein Gespräch mit dem stv. Kommandeur der deutschen Brigade Oberst Bescht. Oberst Bescht bestätigte im Wesentlichen die Ausführungen des OLt. Enke und machte auf die Sicherheitslage aufmerksam. Hier seien bisher pro Tag bis zu 17 Häuser der Serben in Brand gesetzt worden. Die Eigentumsverhältnisse seien noch ungeklärt, es bestehe weiterhin ein rechtsfreier Raum und die deutsche Brigade müsse die Rolle des Richters, Staatsanwaltes und Gefängnispersonals übernehmen. 
Der deutsche Sektor erfuhr gewisse Grenzkorrekturen, so dass Klima dem italienischen Sektor zugeschlagen wurde. Über die Rolle und Stationierung der russischen Soldaten im deutschen Sektor war noch nichts Definitives vereinbart worden. Möglicherweise werden russische Soldaten in Orahovac stationiert werden; dagegen hat die Bevölkerung ihren massiven Widerstand angekündigt, unterstützt von manchen NGO‘s, z.B. den MDM. (Anm. d. Autors). Oberst Bescht erklärte weiter seinen Auftrag, die Zivilbevölkerung im deutschen Sektor bei dem Wiederaufbau der zerstörten Häuser über den Winter zu unterstützen. Hierfür stellte die Bundesregierung 2 Mill. DM zur Verfügung. Eine komplette Pionierbataillon, die aus entsprechenden Fachkräften besteht, ist vor Ort. Es wurde auch eine ehemalige Ziegelei für die Zusammenarbeit gewonnen, die allerdings von einer Anschubfinanzierung abhängt. Die Bundeswehr plant insgesamt den Bau von 200 winterfesten und dauerhaften Häusern. Pro Haus wurden 5.000 DM veranschlagt. Oberst Bescht bat auch um eine Zusammenarbeit mit den NGO‘s, v.a. um die vorhandenen Kapazitäten zu nutzen. Dringend mahnte er Abhilfe bei den bestehenden Problemen wie z.B. dem Fehlen von Heizmöglichkeiten an. Auf dem Sektor Gesundheit plant die Bundeswehr in Maleševo die Ausstattung des vorhandenen Krankenhauses. 
Ich bat Oberst Bescht um Unterstützung für einem sinnvollen Einsatz von Frau Dr. Oljenek, da sie als Fachärztin für Kinderchirurgie in Orahovac aufgrund fehlender OP-Möglichketten nicht eingesetzt werden kann. Er sagte seine Unterstützung zu und wir vereinbarten, dass die Kollegin in Prizren zum Einsatz kommen wird. 
Am Sonntag besuchten wir den ASB in Prizren. Der ASB, vertreten durch seinen Projektkoordinator Meiering, kooperiert mit der dänischen Schwesterorganisation „Danish-Peoples-Aid“, vertreten durch Klaus Norlem. Die Kollegen hauen eine anstrengende Nacht hinter sich, denn ein Haus in der Nachbarschaft wurde in Brand gesetzt und sie nahmen eine allein stehende serbische Frau auf Ihre Aufgaben in Prizren beschrieben die Kollegen vom ASB wie folgt: Sie planen den Wiederaufbau von 1.100 Häusern, in Anlehnung an das UNHCR-Programm, das Folgendes vorsieht: Statt Dachziegeln ist die Abdeckung mit einer UNI-ICR-Plane vorgesehen. Die Kosten pro 1-laus bezifferte er mit 7.500 DM. 
Danach fuhren wir weiter nach Klima, um das Hospital zu besuchen. Klima, gelegen im italienischen Sektor, ist Zentrum für 83,000 Einwohner des Umlandes. 40% der Bewohner der Stadt sind Katholiken. Das Hospital wurde vor 10 Jahren von der AWO Unterfranken mit Material und Gerätschaft unterstutzt Bei unserer Ankunft fanden wir das Hospital in einem miserablen Zustand vor. Im Hospital arbeiten noch sechs Fachkräfte, u.a. Radiologen, Psychiater und Gynäkologen. 
Am Montag, dem 12.7.99 nahmen wir an einer Pressekonferenz im Hauptquartier der deutschen Brigade teil. Anlass der Konferenz war, dass die Bundestagsfraktion der SPD 100.000 DM für den Wiederaufbau im Kosovo gespendet haue. Diese Spende haue Frau Carsten mitgebracht. An der Konferenz nahmen weiterhin teil Staatssekretär Kolbow, General Harf Oberst Bescht und Andere. Angesprochen wurden die Themen „Die Rolle der NGO‘s“ (Auch Kritik kam zur Sprache.), „Winterhilfe“ und „Gefängnis“. 
Nach der Pressekonferenz fand ein Treffen mit OFA Dr. Novak und SA(w) Dr. Kämmerer, zweit Ärzten der deutschen Kompanie statt. Sie stellten ihre bisherige Arbeit vor und baten uni Sachspenden für das Krankenhaus in Malekvo; insbesondere werden ein Narkosekreisteil und ein Ultraschallgerät benötigt. Ich sagte ihnen entsprechende Geräte bei Abholung durch sie zu. Die beiden Kollegen teilten unsere Einschätzung der medizinischen Situation vor Ort und der dringenden Notwendigkeit eines Rehabilitationszentrums für die Minenopfer. Sie waren sehr angetan von dem bevorstehenden Einsatz von Frau Dr. Oljenek und bereiten jetzt schon Patienten für ihre Arbeit vor. Außerdem konkretisieren sie zur Zeit den Bedarf an Rehabilitation durch Erstellung einer Liste von Amputierten und Minenopfern in diesem Einzugsbereich. 

Zusammenfassung und Vorschläge:

Diese zweite Reise bestätigte unsere erste Einschätzung der medizinischen Situation. Speziell für das Hospital in Klima sollten Notfallinstrumente und -medikamente zur Verfügung gestellt werden. Entsprechende Listen wurden Frau Rademacher bereits per Fax übermittelt. Diese Listen weisen Medikamente im Wert von 50.749,- DM und Material im Wert von 89.882,05 DM aus. Bei kontrollierter und sinnvoller Verwendung müsste diese Ausstattung mindestens ein Jahr ausreichen. Die für das Krankenhaus in Maleševo hier bei mir bereitstehenden Geräte hoffe ich in dieser Woche der Bundeswehr übergeben zu können. Inder Zeit vom 31.7. bis zum 14.8. ‘99 wird sich Frau Dr. Oljenek im Kosovo befinden. Vom 21.8. bis zum 12.9. ‘99 kommt Dr. Thomas Gündel als leitender Chefarzt der Kinderchirurgie in den Kosovo. Frau Rademacher sagte ihre Bereitschaft zu, sich für die Weiterbildung der Krankenschwestern und Hebammen und den Wiederaufbau der OP-Räume in Orahovac einzusetzen. Es kristallisierten sich zwei Konzepte zum Wiederaufbau im Kosovo heraus:
– das des UNHCR
– das der Bundeswehr

Es ist zu befürchten, dass durch die unterschiedlichen Ausstattungsstandards der beiden Konzepte Neidgefühle in Teilen der Bevölkerung provoziert werden. Aufgrund des unmittelbar bevorstehenden harten Winters im Kosovo ist weiterhin zu befürchten, dass die ansässige Bevölkerung in Ermangelung an Heizmaterial eine massive Abholzung einleiten wird, zumal die Ortschaften im Winter mehr oder weniger von der Außenwelt abgeschnitten sein werden. Die ökologischen Folgen waren Erosionsschäden evtl. katastrophalen Ausmaßes. Dies zeigen Erfahrungen aus anderen Krisengebieten. 

Folgender Bericht wurde verfasst von:
Dr.Adelheid Olejnik
International Emergency Help (Internationale Nothilfe e.V.)
Meckelstr. 51
D-42287 Wuppertal

Bericht Über den Einsatz im Krankenhaus Prizren (Kosovo) vorn 31.07.99 – 15.08.99

Der Einsatz von Ärzten durch die Organisation LEH im Krankenhaus Prizren war im Vorfeld durch Herrn Akram Naasan mit Angehörigen der Bundeswehr und den Mitarbeitern des Auswärtigen Amtes im Hauptquartier Prizren abgesprochen worden. In diesem Rahmen wurde auch der Flug zum und vom Balkan (Skopje) durch die Mitflugmöglichkeit in Transportmaschinen der Bundeswehr realisiert. 
Diese Möglichkeit erwies sich besonders auf dem Rückweg als hilfreich, da zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Zivilflughafen in Skopje durch die Folgen des Krieges in Restjugoslawien überlastet ist, wie auch ganz Mazedonien einen großen Teil der Last trägt. Die Straßen sind ständig überlastet, an der Grenze nur Stau und allgegenwärtig das fremde Militär. 
In Skopje wurde ich von Herrn Major Riedel am Flughafen abgeholt, der für mich die weitere Fahrt nach Prizren organisierte.
Außerdem wurde ich bereits in Skopje durch zwei Arne der Bundeswehr begrüßt, die in Prizren stationiert und über mein Kommen informiert waren (Dr.Nowak und Frau Dr.Kämmerer) In Prizren meldete ich mich zunächst im Hauptquartier der Deutschen Brigade bei Oberst Beschst, der ebenfalls über den Einsatz informiert war . Durch seine Vermittlung und die der Angehörigen der Zelle SAN erhielt ich eine Unterkunft . Während des gesamten Einsatzes habe ich jederzeit Unterstützung durch die Angehörigen der Bundeswehr erhalten. Dafür Dank. Außerdem nahm ich Kontakt auf zum Büro des Auswärtigen Amtes im Hauptquartier Prizren und erhielt auch hier Unterstützung. 
Am Montag, dem 02.08.99 wurde ich von OFA Dr.Freitag, der den Kontakt zwischen Bundeswehr und dem Krankenhaus hält, im Krankenhaus Prizren der Krankenhausleitung vorgestellt. Obwohl mir vor dem Einsatz gesagt wurde, dass ich im Krankenhaus avisiert worden war, schien dort niemand über mein Kommen Bescheid zu wissen. 
Ich wurde dennoch freundlich aufgenommen .Wir einigten uns ‚dass ich mit den Kollegen der Urologie zusammenarbeiten sollte, da in diesem Bereich viele Kinder betreut werden. Diese Entscheidung erwies sich als gut. In den 2 Wochen meines Einsatzes habe ich hier gemeinsam mit den Kollegen gearbeitet. Es gab mehrere Bereiche ‚in denen ich tätig werden konnte.

1. operativ: Im Wesentlichen habe ich Kinder mit ganz „normalen“ kinderchirurgisch zu behandelnden Erkrankungen ‚wie z.B. Leistenbrüche behandelt.

2. Mitbeteiligung an Sprechstunden: Die Kollegen dort waren immer an meiner Meinung zu einem Problem beim Kind interessiert, auch wenn es sich um Erkrankungen handelte, die sie normalerweise bisher auch behandelt hatten.

3. Ultraschalluntersuchungen: Da im Hause nur die Gynäkologen und die Chirurgen Zugang zu einem Ultraschallgerät haben mit einem 3,5 MHz Schallkopf, der für die Untersuchung von Kindern ungeeignet ist, bestanden auf diesem Gebiet nur wenig Erfahrungen beim Kind. Ich habe trotzdem mit dem vorhandenen Gerät Kinder sonografiert ‚da ich selbst früher zu Hause in dieser Situation war, und in diesen Fällen zu einer rascheren Klärung der Diagnose beitragen können.

4. Vorstellung von Kindern mit Erkrankungen, die einer spezialisierten Behandlung bedurften:
Hier gab es zwei Gruppen von Erkrankungen. Die einen konnten im Kosovo selbst behandelt werden, die anderen mussten ins Ausland vermittelt werden. Ich habe Kinder der ersten Gruppe selbst betreut, wenn es mit den Möglichkeiten im Hause ging bzw. diese für meinen Nachfolger wiederbestellt. Für einige Patienten habe ich mich um eine dauerhafte Weiterbetreuung bemüht ‚in dem ich ein Behandlungskonzept vorgeschlagen habe unter Einbeziehung aller notwendigen Fachgebiete. Die Unterlagen von Kinder der 2.Gruppe habe ich an OFA Dr. Freitag übergeben, der diese dann an die zuständigen Stellen der UNO weitergeleitet hat. 

Ich habe sehr gute persönliche Kontakte zu einigen Kollegen knüpfen können. Dadurch habe ich alle Abteilungen des Krankenhauses besuchen können und einiges über spezifische Probleme der Abteilungen erfahren. 
Mein Eindruck von den Abteilungen deckt sich mit dem ‚was mir auch von anderer Seite über das Krankenhaus erzählt wurde. Die größten Probleme bereiten im Moment die große Zahl der zu versorgenden Patienten. In Prizren sind im Moment doppelt so viele Einwohner, wie vor dem Krieg. Dazu kommt, dass im Moment die Ambulanzen und auch mehrere kleine Krankenhäuser nicht richtig arbeiten oder ganz zerstört sind. 
Das Sozialversicherungssystem funktioniert im Moment nicht, da viele Unterlagen fehlen. Die Behandlung ist im Moment für die Patienten kostenfrei und notwendige Medikamente werden kostenfrei abgegeben. Dies ist nur durch Unterstützung durch das Ausland in den unterschiedlichsten Formen möglich. Allerdings halten sich hartnäckige Gerüchte darüber, dass Medikamente auf dem Schwarzmarkt auftauchen. 
Das Krankenhaus in Prizren entspricht etwa einem Krankenhaus der spezialisierten Versorgung in Deutschland. Problematisch ist, dass sich 5 operative Fachrichtungen 2 OP-Säle teilen müssen. Der Hygienestandart entspricht zwar nicht dem Bundesdeutschen Standart, ist aber ausreichend gut. Viele Dinge im Haus ‚einschließlich der diagnostischen Möglichkeiten waren mir noch nicht ganz so fremd, erinnerten sie mich sehr an die Möglichkeiten und Ausstattungen der Krankenhäuser der DDR. 
Mit den vorhandenen Möglichkeiten erfolgte in Prizren eine gute medizinische Betreuung. Anerkennenswert ist der Einsatz der Ärzte, die seit mehreren Monaten ohne Bezahlung die Versorgung sicherstellen. 
Eine Besserung der Situation ist sicherlich nach der geplanten Übernahme des Management des Krankenhauses durch die Johanniter zu erwarten. 
Das Problem ist im Moment nicht ein Mangel an Ärzten. Auch die normale fachärztliche Versorgung ist sichergestellt, vielleicht abgesehen von Fachärzten für Anästhesie. Im Moment ist die Möglichkeit der spezialisierten und hochspezialisierten Versorgung sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich. In den letzten 10 Jahren waren auch die Weiterbildungsmöglichkeiten der albanischen Ärzte eingeschränkt. Hier besteht Bedarf Außerdem befinden sich einige jüngere Kollegen in der Weiterbildung zum Facharzt, deren Abschluss jetzt gefährdet ist, da die Weiterbildungsstellen außerhalb des Kosovo in Jugoslawien liegen. Es wäre aus meiner Sicht gut, wenn auch auf diesem Gebiet bald wieder funktionierende Strukturen geschaffen werden, ähnlich unseren Ärztekammern. Ein Teil der Facharztwetterbildung könnte damit im Kosovo realisiert werden. In Einzelfällen, wie z.B. bei Dr. Agim Sefa ‚der sich in der Facharztweiterbildung zum Kinderchirurgen befindet, könnte sie allerdings nur außerhalb des Kosovo zu einem Ende geführt werden. 
Mit Frau Dr. Maloku und Dr. Sefa hatte ich die Möglichkeit, mir die Stadt anzusehen. Prizren hat eine sehr alten Stadtkern und eine Festung, die noch aus der Zeit der Türkenherrschaft stammt. Oberflächlich betrachtet machte die Stadt ‚besonders am Abend einen sehr normalen Eindruck auf mich. Überall waren Menschen unterwegs, Kinder spielten, Restaurants waren gut besucht und es gab alles zu kaufen. Vom gerade beendeten Krieg war im Zentrum wenig zu spüren. 
Im krassen Gegensatz dazu standen aber die immer wieder brennende Häuser der Serben und die nächtlichen Schießereien mit Toten und Verletzten. In Prizren leben kaum noch Serben Die Meisten haben Prizren bereits verlassen. Ein kleiner Rest von etwa 120 Serben haben aus Angst vor Übergriffen in der Klosterschule Schutz gesucht, die rund um die Uhr von deutschen KFOR-Truppen bewacht werden. Bei diesen 120 Leuten handelt es sich um Alte, Frauen und Kinder. Sie wollen nach Möglichkeit in der nächsten Zeit auch noch weg. Ich hatte die Gelegenheit mit den beiden Militärseelsorgern der Bundeswehr die Klosterschule zu besuchen. Auch ein schwierig zu verarbeitendes Erlebnis. Im Moment scheint ein Miteinander der ethnischen Gruppen nicht möglich und der Hass aufeinander unversöhnlich. Auf beiden Seiten gab es und gibt es Übergriffe. In diesem Konflikt gibt es letztendlich nur Verlierer. 

Zu meiner Tätigkeit muss ich kritisch anmerken, dass 2 Wochen eigentlich zu kurz sind ‚um wirklich spürbar etwas zu tun. Als ich Abläufe überblickte und auch als sich meine Anwesenheit am Hause herumgesprochen hatte, war der Einsatz beendet. Der eigentliche Wert des Einsatzes für die Ärzte vor Ort war eine eher moralische Unterstützung. Sie nutzten außerdem meine Anwesenheit zur Weiterbildung ‚indem sie sich zeigen und erzählen ließen, wie wir es im machen. Für mich war es ein tiefer Einblick in die Problematik der medizinischen Betreuung unter den schwierigen Bedingungen nach dem Krieg, aber auch in die gesamte Problematik vor Ort. 

Nachfolgender Bericht wurde verfasst von:
Dr. Th. Gündel Frankfurt (O), 25.10.99
Dorfstr. 19
15236 Frankfurt

Bericht über meinen Einsatz im Krankenhaus Prizren (Kosovo) vom 22.08.99 bis 09.10.99

Der Einsatz stand unter der Ägide, der Internationalen Nothilfe e V. Vor mir war schon meine Kollegin Frau Dr. A. Olejnik vom 31.07.99 bis 15.08.99 in Prizren tätig So war ich auf die dort anzutreffen Bedingungen mental recht gut vorbereitet. Ihren Bericht über dort herrschenden allgemeinen und besonderen Bedingungen im und am Krankenhaus kann ich nur bestätigen. Daher möchte ich mich in meinem Bericht nicht wiederholen. 

Auch in meinem Falle übernahm die Bundeswehr meinen Hin- und Rückflug sowie die Unterbringung in Prizren im Haedquartier der deutschen Kfor. Sowohl in Deutschland (Militärflughafen Bonn! Köln) als auch im Kosovo unterstützte mich die Bundeswehr recht unbürokratisch und hilfreich, was für mich überraschend war. Auch im Hauptquartier der Kfor in Prizren fand ich sowohl bei den Soldaten als auch bei den Offizieren hohe Anerkennung, Verständnis und Unterstützung für meine Arbeit.
Der Bundeswehr hier meinen besonderen Dank und Anerkennung.

Leider war man über mein Kommen weder im Hauptquartier noch im Krankenhaus informiert, so daß ich relativ unerwartet und unvermittelt eintraf Trotzdem wurde ich freundlich und herzlich empfangen. 

Erste Schwierigkeiten ergaben sich schon bei der Ankunft im Kosovo Ich landete nicht wie ursprünglich geplant in Skopje (Mazedonien) von wo dann die Fahrt weiter nach Prizren sehen sollte, sondern aufgrund einer Informationslücke landete ich mit dem Flugzeug in Pristina, wo mich natürlich überhaupt niemand erwartete und kannte. Mit Hilfe der LOM (International Organisation for Migration), die einen Stützpunkt am Flughafen in Pristina haue, gelangte ich dann schließlich nach Prizren, Selbige Organisation brachte mich dann auch mit einem kleinen Auto ins Hauptquartier Die dortige vorher angegebene Kontaktperson Frau Dr. l3audouin (Botschaftsrätin der BRD in Prizren) war leider bei meiner Ankunft nicht anwesend. Trotzdem brachte mich die Kfor im Lager der deutschen Soldaten in unbürokratischer Weise unter. 
Die Angehörigen der Zelle SAN führen mich täglich mit einem Jeep ins Krankenhaus. 

Einige Worte zum Krankenhaus in Prizren:

Das von der UNO erbaute Krankenhaus ist erheblich heruntergekommen und bedarf einer totalen Überholung.
Die Ausrüstung ist überaltert und entspricht bei weitem nicht mehr dem modernen Stand. So können z Zt. nur begrenzt oder gar nicht größere Operationen durchgeführt werden. Von seiner Anlage her ist das Krankenhaus für eine spezialisierte Versorgung geeignet. Zur Zeit können aber nur Eingriffe durchgeführt werden, die keine besondere Ausrüstung verlangen. Operationen die postoperativ eine Nachbeatmung erfordern, sind nicht möglich. 
Der Ausbildungsstand der Chirurgen — nur diesen kann ich richtig beurteilen, war erstaunlich gut. Auch die Kinder, wurden fachgerecht versorgt. Wenn auch die Operationstechnik etwas umständlich war, so entsprach das Endergebnis doch dem heutigen Stand der Kinderchirurgie. Dringend benötigt wird ein gut ausgebildeter Kinderchirurg. Ein junger Assistent, Dr. Agim Sefa, interessiert sich für die Kinderchirurgie. Er hat auch schon eine 3-jährige Ausbildung in Belgrad/Jugoslawien hinter sich. Dann kam der Krieg.
Herr Dr. Agim Sefa engagierte sich sehr und unterstützte mich im Krankenhaus und auch privat in unaufdringlicher aber herzlicher Weise.
Er ist sehr daran interessiert, seine Facharztausbildung irgendwie zu beenden. Leider ist das im Kosovo nicht möglich. 

Die Arbeit im Krankenhaus beschränkte sich somit zwangsläufig nur auf Operationen und Demonstrationen einiger typischer Eingriffe bei Kindern nicht spezialisierter Art wie z. B. Leistenbrüche, Hernien, Hydrozelen etc, Kindliche Frakturen konnten wir im Wesentlichen nur konservativ behandeln, da moderne Behandlungsmöglichkeiten wie Fixateur externe und Prevot-Nägel nicht vorhanden waren. 
Die Schule der konservativen kindlichen Fratkturbehandlung beherrschen die Kollegen im Kosovo recht gut, obwohl sie auch hier Schwierigkeiten hatten, da oftmals selbst Gipsbinden fehlten. 

Zu den Kollegen vom Lazarett im Hauptquartier hatte ich nur wenig Kontakt, Im Wesentlich beschränkte er sich auf wenige Absprachen mit OFA Dr. Freitag, der engen Kontakt zwischen Kfor und Hospital hielt und täglich im Krankenhaus eine Visite machte und sich davon überzeugte und sicherstellte, dass evtl. zu behandelnde Serben die gleiche Behandlung wie die Albaner erhielten. 
OFA Dr. Freitag organisierte auch einen für alle einzuhaltenden Weg für Patienten mit Krankheiten, die nicht in Kosovo behandelt werden können. 
Dadurch war es mir möglich, mehrere Kinder und auch Erwachsene in die richtige Bahn zu lenken. Die einzelnen Etappen diese Weges zu schildern, erscheint mir in diesem Bericht nicht von Bedeutung. 

Am 30.08.99 traf ich im Hauptquartier Dr. Akram Naasan mit Frau Rademacher (stellvertretende SPD-Vorsitzende Bayern und nahm an einer interessanten Sitzung mit General Sauer teil. 
General Sauer gab eine kurze Einschätzung der politischen Lage im Kosovo, die ich hier aus bestimmten Gründen nicht wiedergeben möchte Es sei nur soviel gesagt; die Präsenz der Kfor wird über Jahre notwendig sein. 
Mit Herrn Dr. Akram besuchte ich am nächsten Tag das Krankenhaus und wir führten Gespräche mit dem Direktor. Es wurde unter anderem angeregt, eine Art deutschkosovarische Gesellschaft zu gründen, um das wissenschaftliche Leben wieder in Gang zu bringen Der Direktor bejahte diese Vorschläge recht höflich; persönlich hatte ich aber den Eindruck, dass zur Zeit bei ihm kein spezielles Interesse besteht, diese Entwicklung voranzutreiben. Noch sind die Albaner zu sehr mit ihren täglichen Schwierigkeiten befasst und die Lage ist noch zu instabil, um solche Dinge in Angriff zu nehmen. 

Abschließend möchte ich zusammenfassen, dass meine Hilfe vor Ort eigentlich nicht nötig war, die dortigen Kollegen betreiben die Kinderchirurgie unter den jetzigen Möglichkeiten recht gut. Bei einem Einzugsbereich von 400.000 Einwohnern (10-20 Geburten tägl. in Prizren) ist es dringend nötig, eine Kinderchirurgische Abteilung mit Fachärzten einzurichten. Für einige Jahre wäre dabei Unterstützung von „außen“ sehr hilfreich. 
Gespannt darf man darauf sein, was die Johanniter aus dem Krankenhaus machen und welche Voraussetzungen sie für eine spezialisiertere Betreuung der Patienten schaffen. 
Ich habe meine Zweifel, da der finanzielle Einsatz für diese Aufgaben recht hoch sein dürfte. 

Dem Kollegen Agim Sefa sollte man eine Beendigung seiner Ausbildung in Deutschland ermöglichen. Das sehe ich derzeit als wichtigste Aufgabe an. Ob man später vielleicht neue Verbindungen und Unterstützungen aufbaut, muss die Zukunft zeigen. 
Ansonsten hat der Aufenthalt im Kosovo für mich persönlich sehr viel gebracht. Durch den nahen Kontakt ~ Mensch und Land war es mir gegönnt, tiefe Einblicke in fast alle Bereiche des Lebens zu gewinnen und das Geschehen verstehen zu lernen. 
Das Misstrauen zwischen Serben und Albanern ist mittlerweile so groß, dass – nach meinen Empfinden und Erfahrungen – Generationen zur Überwindung vergehen werden, wenn es überhaupt möglich ist. 
Jeder kleine Einsatz und jedes Gespräch in dieser Richtung mit beiden Parteien kann hier seht hilfreich sein. 

Dr. Th. Gündel

(Übersetzung: Up date reopening hospital Orahovac)
Orahovac, 24.06.1999

Wiedereröffnung des Hospitals

1. Das Dorf Orahovac und die umgebenen Dörfer geben 50.000 Menschen Albanern und Serben Unterkunft. Das Dorf Orahovac hat ein vierstöckiges Krankenhaus ist aber nicht ausgestattet für chirurgische Operationen. Am ersten Tag als wir das Hospital betraten, durchsuchten wir es und registrierten alles was wir fanden. Das Hospital wurde auch von der KM (Kosovo Liberation Armee) als Obdach benutzt und war zu schmutzig um dort zu arbeiten. Wir vereinbarten mit der KM, das Hospital zu verlassen und übernahmen die Kontrolle aber das Hospital. Im Hospital und den umgebenen Gebäuden fanden wir eine komplette Pharmazie und einige Grundinstrumente wie Thermometer, Scheren und Pinzetten. Dow Röntgengerät befand sich in einem anderen Gebäude. im Hospital befand sich auch eine Zahnarztabteilung und die Gynäkologie (nur für Entbindung). Zu dieser Zeit arbeiteten im Hospital 3 albanische Ärzte. 

2. Wir bestimmten einer dieser Ärzte zum Direktor des Hospitals. Das hieß, dass er der einzige war, der für uns kompetent war. Wir ordneten ihm an, dass er die Pharmazie ausleeren, auflisten und wieder im Hauptgebäude einrichten sollte, so dass alle med. Einrichtungen und Medikamente auf einer Etage waren. Da die Instrumente sehr knapp waren, mussten sie alle beisammen sein‚ so dass die Ärzte sich diese teilen konnten. Nur die Gynäkologie (wegen der möglichen Kontamination) und die zahnärztliche Abteilung (wegen den Zahnarztstühlen,) blieben auf ihre Plätzen. 
Jeden Tag kamen mehr Ärzte und Operateure wieder zurück und wollten im Hospital arbeiten. Von einigen Fachärzten, die zurückkamen, ließen wir die Instrumente überprüfen und wieder herstellen. Ortsbewohner reinigten zuerst die dritte Etage, dann die restlichen Etagen des Hospitals. Das Röntgengerät arbeitete wieder, aber nicht optimal. Mit unseren Anordnungen sollte der Direktor beginnen, einen ausführlichen Plan zu errichten, um ordnungsgemäß zu arbeiten. Das Problem ist, dass die Albaner sehr passiv sind und wir daher 24 Stunden am Tag arbeiten müssen.

3. Die neue Allgemeinabteilung ist nun sauber und alle Räume sind unter den Ärzten eingeteilt. Nach vier Tagen arbeitete das Hospital schon, wobei es nun schon 15 Ärzte hat. (Herr Naasan hat eine Liste der Namen). Die deutsche Organisation THW ist bereits auch mit uns in Kontakt getreten und ist bereit viel Zeit mit uns im Hospital zu verbringen.
A. sichere Wasserversorgung
B. Energie und Elektroversorgung
C. Wiederaufbau
Die Organisation „Médicine de Monde“ ist unsere Verbindung für die Anordnung neuer medizinischer Einrichtung und Medikamente. 

4. Herr Akram Naasan brachte sehr viel med. Instrumente und Einrichtungen. Die THW ist bereit einen Operationsraum einzurichten. Herr Naasan hat auch einen Gesamteindruck der Bedürfnisse dieses Hospitals. Herr Naasan ist auch gänzlich beauftragt und in der Lage alle Fragen zu beantworten. Für seine Hilfe bedanken wir uns bei Herrn Naasan ganz herzlich und hoffen ihm schnellstens wieder zu sehen um unsere Fortschritte fortzufahren 

Unterschrift

Sgt. Dries
Sgt. Smit
1 (NL) II Afdra sangp.